01 · Verantwortung
Die Website sollte nicht an einer einzelnen Person hängen.
Wer eine Website beauftragt, erhält nicht automatisch ein einziges Paket namens „Website“. Domain, Providerkonto, DNS, Hosting, E-Mail, Redaktionssystem, Quellcode, Bilder, Analyse und Suchdienste können bei verschiedenen Anbietern liegen. Für jeden Baustein gelten eigene Konten, Verträge und Rechte.
Für ein Unternehmen ist deshalb weniger wichtig, jedes technische Detail selbst zu bedienen. Wichtig ist, dass geschäftskritische Konten nachvollziehbar zugeordnet sind, mindestens ein vom Unternehmen kontrollierter Wiederherstellungsweg besteht und ein Dienstleisterwechsel nicht an einem unbekannten Login scheitert. Der beauftragte Anbieter erhält die Berechtigungen, die er für seine Arbeit braucht.
Zugriff ist jedoch nicht dasselbe wie Eigentum oder Nutzungsrecht. Ein Login zum Hosting sagt nichts darüber aus, welche Rechte an Design, Texten, Bildern oder Quellcode eingeräumt wurden. Diese Fragen gehören in Angebot und Vertrag. Der folgende Überblick hilft dir, die technische Handlungsfähigkeit zu prüfen; er ersetzt keine rechtliche Prüfung des Einzelfalls.
02 · Bestandsaufnahme
Eine Webadresse, mehrere getrennte Verantwortungsbereiche.
Beginne mit einer Liste statt mit Passwörtern. Notiere zu jedem Dienst den Anbieter, den geschäftlichen Zweck, die hinterlegte Vertrags- oder Inhaberrolle, die Abrechnung, verantwortliche Personen und den Wiederherstellungsweg. So wird sichtbar, ob die Website nur technisch betreut wird oder ob zentrale Konten ausschließlich auf eine fremde Person laufen.
Domain und Hosting werden oft gemeinsam verkauft, bleiben aber unterschiedliche Leistungen. Die Domain ist die Adresse. DNS-Einträge verbinden sie unter anderem mit Website und E-Mail. Das Hosting liefert die Website aus. Ein Umzug der Domain verschiebt deshalb weder automatisch die Website-Dateien noch Postfächer oder Datenbanken.
Weitere Dienste können für Formularversand, Terminbuchung, Karten, Analyse, Schriften, Bilder oder Zahlungen zuständig sein. Auch Search Console und Unternehmensprofile sind keine Bestandteile des Hostingkontos. Sie benötigen eine eigene Rollen- und Übergabeprüfung.
Typische Bausteine und die entscheidende Frage
Domain & DNS
Wer ist als Inhaber registriert, wer bezahlt die Verlängerung und wer darf DNS oder Provider ändern?
Hosting & Anwendung
Wo laufen Dateien, Datenbank und Konfiguration, und wer kann Sicherung sowie Wiederherstellung veranlassen?
E-Mail & Formulare
Welche Konten empfangen Nachrichten, welcher Dienst versendet sie und wer betreut Domains sowie Zustellung?
Inhalte & Medien
Wo liegen Originaltexte und Bilder, wer darf sie veröffentlichen und welche Lizenzen gelten?
Quellcode & Bereitstellung
Gibt es ein aktuelles Repository, eine nachvollziehbare Build- und Deploy-Dokumentation und vereinbarte Nutzungsrechte?
Suche & Analyse
Ist das Unternehmen selbst Inhaber der relevanten Properties und sind frühere Zugriffe noch berechtigt?
03 · Domain
Die Domain ist nicht einfach nur ein Posten auf der Hostingrechnung.
Bei einer .de-Domain kommt der Domainvertrag laut DENIC unmittelbar zwischen DENIC und dem Domaininhaber zustande, auch wenn ein Provider die Registrierung vermittelt. Prüfe deshalb, ob dein Unternehmen beziehungsweise bei einem Einzelunternehmen die richtige Person als Domaininhaber geführt wird und ob Kontakt- sowie Rechnungsdaten aktuell sind. Für andere Domainendungen gelten die Regeln der jeweiligen Registrierungsstelle und des Registrars.
Das Providerkonto sollte über eine erreichbare geschäftliche Adresse wiederherstellbar sein. Es muss klar sein, wer Verlängerungen bezahlt und welche weiteren Leistungen im selben Paket liegen. Wird ein Vertrag beendet, darf niemand versehentlich Domain, Postfächer und Website gemeinsam kündigen, obwohl nur das Hosting wechseln sollte.
Für den Wechsel einer .de-Domain beschreibt DENIC das AuthInfo-Verfahren: Der Domaininhaber lässt beim bisherigen Provider ein zeitlich begrenztes Providerwechsel-Passwort erzeugen und gibt es dem neuen Provider. Diese AuthInfo wird erst für einen konkreten Wechsel benötigt. Sie ist kein dauerhaftes Kennwort für eine Übergabemappe und sollte nur geschützt an die zuständige Stelle weitergegeben werden.
04 · Berechtigungen
Rollen teilen – nicht ein gemeinsames Hauptpasswort herumreichen.
Wenn ein Dienst mehrere Nutzer und Rollen unterstützt, erhält jede verantwortliche Person einen eigenen Zugang. Das Unternehmen behält mindestens eine belastbare Inhaber- oder Administratorrolle; der Dienstleister bekommt die für seine Aufgabe angemessene Berechtigung. So lassen sich Zugriffe später einzeln entziehen, ohne ein gemeinsam genutztes Passwort an vielen Stellen zu ändern.
Aktiviere Zwei-Faktor-Authentisierung für Konten mit weitreichenden Rechten. Das BSI empfiehlt 2FA, sobald ein Dienst sie anbietet, und weist darauf hin, für den Verlust des zweiten Faktors vorzusorgen. Halte deshalb dokumentiert fest, wo Wiederherstellungscodes geschützt verwahrt werden und welche weitere berechtigte Person im Notfall handeln kann.
Passwörter gehören nicht in ein frei versendetes Briefing oder in eine unverschlüsselte Übergabe-PDF. Nutze Einladungen und Rollen, wenn möglich. Wo ein Kennwort tatsächlich übergeben werden muss, gehört es in einen geeigneten Passwortmanager oder einen gesonderten sicheren Übertragungsweg und sollte anschließend geändert werden.
Prüfliste
- Vom Unternehmen kontrollierte Inhaber- oder Administratorrolle vorhanden
- Personenbezogene Zugänge statt eines gemeinsam genutzten Hauptkontos
- Zwei-Faktor-Authentisierung für weitreichende Konten aktiviert
- Wiederherstellungscodes und Notfallkontakt geschützt dokumentiert
- Rechnungs- und Benachrichtigungsadressen aktuell
- Ehemalige Beteiligte und nicht mehr benötigte Zugänge entfernt
05 · Vereinbarung
Ein Export beantwortet nicht automatisch die Rechtefrage.
Zur technischen Übergabe können je nach System Quellcode, Datenbankexport, hochgeladene Medien, Konfiguration, Weiterleitungen und eine Liste externer Dienste gehören. Welche Bestandteile benötigt werden, hängt von der Architektur ab. Bei einem Baukasten kann beispielsweise kein frei betreibbarer Quellcode exportierbar sein; bei einer individuellen Anwendung reicht der Quellcode ohne Infrastruktur und Daten ebenfalls nicht für einen Wiederanlauf.
Daneben stehen Nutzungsrechte. § 31 UrhG unterscheidet einfache und ausschließliche Nutzungsrechte und erlaubt räumliche, zeitliche oder inhaltliche Beschränkungen. Für dein Projekt sollte deshalb verständlich vereinbart sein, wie Design, Texte, Fotos, Schriften, Software und andere Bestandteile genutzt, verändert und durch Dritte weiterbetreut werden dürfen. Fremdlizenzen und Open-Source-Bestandteile können eigene Bedingungen behalten.
Verlange keine pauschale Zusage wie „alles gehört dir“, wenn unklar bleibt, was „alles“ meint. Besser ist eine Liste: Welche Arbeitsergebnisse werden bereitgestellt? Welche Nutzungen sind erlaubt? Welche Lizenzen laufen auf wessen Namen? Was kann bei einem Wechsel technisch übertragen werden, und welche Dienste müssen neu beauftragt werden? Bei rechtlicher Unsicherheit sollte der Vertrag fachkundig geprüft werden.
Zwei Fragen, die getrennt beantwortet werden müssen
Technisch verfügbar?
Liegen Dateien, Daten, Konten und Dokumentation in einer Form vor, mit der Betrieb oder Migration praktisch möglich sind?
Rechtlich nutzbar?
Erlauben Vertrag und Lizenzen die vorgesehene Veröffentlichung, Änderung, Weitergabe und Weiterbetreuung?
06 · Dokumentation
Eine gute Übergabe ist ein prüfbarer Stand – kein Ordner voller Geheimnisse.
Die Übergabe sollte zu Projektgröße und Technik passen. Eine kleine statische Unternehmensseite braucht keine hundertseitige Betriebsdokumentation. Sie braucht aber eine verständliche Übersicht darüber, wo Domain und Website liegen, wie veröffentlicht wird, welche Dienste beteiligt sind und wer im Störungsfall zuständig ist.
Sicherungen sind nur dann belastbar, wenn Umfang, Zeitpunkt und Wiederherstellungsweg bekannt sind. Das BSI empfiehlt Unternehmen, Backups anzulegen und Funktion, Konsistenz sowie Aktualität regelmäßig zu testen. Vereinbare deshalb nicht bloß „Backup vorhanden“, sondern welche Daten gesichert werden, wie lange, durch wen und wie eine Wiederherstellung geprüft wird.
Dokumentiere außerdem den abgenommenen Funktionsumfang und bekannte offene Punkte. Das verhindert, dass ein späterer Betreuer zunächst erraten muss, ob eine Funktion bewusst fehlt, extern betrieben wird oder nicht mehr funktioniert. Sensible Schlüssel und Passwörter bleiben dabei außerhalb der allgemein lesbaren Dokumentation.
Prüfliste
- Inventar aus Domain, DNS, Hosting, E-Mail, CMS, Repository und externen Diensten
- Anbieter, Vertragsinhaber, Abrechnung und verantwortliche Rolle je Dienst
- Aktueller Quellcode beziehungsweise mögliche Exporte samt Daten und Medien
- Kurzanleitung für Bereitstellung, Inhaltsänderungen und wichtige Betriebswege
- Weiterleitungen, Formulare, Empfänger, Analyse- und Suchdienste
- Lizenz- und Nutzungsrechtsübersicht für Schriften, Bilder, Texte und Software
- Backup-Umfang, Aufbewahrung, Wiederherstellungsweg und letzter Prüftermin
- Offene Punkte, bekannte Grenzen, Wartungszuständigkeit und Notfallkontakt
07 · Wechsel
Erst übernehmen, dann umstellen, zuletzt alte Zugänge schließen.
Ein Anbieterwechsel beginnt mit der Bestandsaufnahme: Welche Systeme liefern Website, E-Mail und andere geschäftliche Funktionen? Danach werden neue Verantwortlichkeiten und Zugänge vorbereitet, aktuelle Daten gesichert und der Migrationsweg getestet. Erst wenn Zielsystem und Rückfallplan feststehen, folgen DNS- oder Domainänderungen.
Plane für Website und E-Mail getrennte Prüfungen. Nach dem Wechsel müssen nicht nur Startseite und Logo erscheinen. Formulare, Weiterleitungen, Suchmaschinenbestätigung, Zertifikate, Postfächer und externe Schnittstellen brauchen eigene Tests. Vereinbare ein Zeitfenster, in dem der bisherige Stand noch verfügbar bleibt, soweit Vertrag und Technik das zulassen.
Nach erfolgreicher Abnahme werden nicht mehr benötigte Zugriffe entfernt. In der Google Search Console genügt es bei früheren bestätigten Inhabern nicht in jedem Fall, nur den Nutzer zu löschen: Google weist darauf hin, dass verbleibende Bestätigungstokens eine erneute Bestätigung ermöglichen können. Prüfe deshalb bei jedem Dienst dessen eigenes Rollen- und Wiederherstellungsmodell, bevor alte Konten geschlossen werden.
Prüfliste
- Dienste, Inhaber, Verträge und Abhängigkeiten vollständig erfassen
- Neue Konten und Rollen vor dem Umschalten einrichten
- Daten, Medien, Konfiguration und aktuellen Stand sichern
- Migration und Rückfallweg in sinnvoller Reihenfolge planen
- Website, E-Mail, Formulare, Weiterleitungen und externe Dienste abnehmen
- Such- und Analysedienste auf korrekte Inhaber und Tokens prüfen
- Alte Zugänge erst nach bestätigter Übernahme entfernen
- Übergabe und offenen Restumfang schriftlich abschließen
08 · Nächster Schritt
Diese Fragen sollten vor Beauftragung oder Übernahme beantwortbar werden.
Du musst für ein Erstgespräch keine Zugangsdaten verschicken. Bringe die Webadresse, vorhandene Verträge und Rechnungen sowie eine Liste bekannter Anbieter mit. Wenn du nicht weißt, wer als Domaininhaber geführt wird oder wo die Website gehostet ist, ist genau das ein sinnvoller Ausgangspunkt für die Bestandsaufnahme.
Bitte den Anbieter, die Zielstruktur verständlich zu beschreiben: Welche Konten werden auf dein Unternehmen angelegt? Welche Rollen erhält der Dienstleister? Welche Daten und Dokumente werden nach Projektabschluss bereitgestellt? Was bleibt eine laufende Leistung? Und was passiert technisch sowie finanziell, wenn die Betreuung endet?
Bei Deichklar kann ein Website-Kurzcheck helfen, erkennbare Abhängigkeiten und den nächsten Prüfschritt einzuordnen. Eine solche Ersteinschätzung ersetzt weder eine vollständige technische Migration noch eine individuelle Rechtsprüfung. Sie soll sichtbar machen, welche Informationen vor einer belastbaren Entscheidung noch fehlen.
Prüfliste
- Wer wird Domaininhaber und wer verwaltet das Providerkonto?
- Welche Dienste und laufenden Kosten gehören zum Projekt?
- Welche Inhaber-, Admin- und Bearbeiterrollen werden eingerichtet?
- Wie werden 2FA, Wiederherstellung und Notfallzugriff organisiert?
- Welche Dateien, Exporte und Dokumentationen werden übergeben?
- Welche Nutzungsrechte und Fremdlizenzen sind vereinbart?
- Welche Backups existieren und wie wird Wiederherstellung geprüft?
- Wie laufen Kündigung, Anbieterwechsel und Entzug alter Zugänge ab?
Häufige Fragen

