01 · Die kurze Antwort
Eine Firmenwebsite braucht Orientierung – nicht möglichst viel Text.
Interessenten kommen selten auf deine Website, um alles über dein Unternehmen zu lesen. Sie wollen zunächst einordnen: Bin ich hier richtig? Wird mein Problem verstanden? Ist das Angebot für meinen Fall geeignet? Kann ich diesem Anbieter vertrauen – und wie nehme ich Kontakt auf?
Dafür reichen weder ein austauschbarer Willkommenstext noch eine lange Liste von Fachbegriffen. Gute Inhalte verbinden konkrete Leistungen mit nachvollziehbaren Grenzen, glaubwürdigen Nachweisen und einem nächsten Schritt. Die notwendige Menge ergibt sich aus dem Angebot und der Entscheidung deiner Kunden, nicht aus einer pauschalen Seitenzahl.
Dieser Ratgeber richtet sich an Unternehmen, die eine Website beauftragen oder neu ordnen. Er zeigt, welche Informationen du am besten selbst vorbereitest und wobei Konzeption, Redaktion und Gestaltung im Projekt helfen können.
02 · Ausgangspunkt
Beginne mit Situationen und Fragen, nicht mit Menüpunkten.
Bevor du Texte für Startseite, Über-uns-Seite und Leistungen verteilst, sammle die Situationen, in denen Menschen nach deinem Unternehmen suchen. Ein Handwerksbetrieb wird möglicherweise wegen einer konkreten Reparatur, eines größeren Vorhabens oder der regionalen Erreichbarkeit geprüft. Ein Beratungsunternehmen muss eher Vorgehen, Spezialisierung und persönliche Zusammenarbeit erklären.
Notiere dafür echte Fragen aus Gesprächen, E-Mails und Angeboten. Welche Voraussetzungen werden häufig missverstanden? Was müssen Interessenten vor einer Anfrage wissen? Welche Bedenken tauchen immer wieder auf? Diese Fragen bilden eine bessere Inhaltsgrundlage als allgemeine Aussagen wie Qualität, Zuverlässigkeit und individuelle Lösungen.
Danach legst du pro Seite eine Hauptaufgabe fest. Eine Leistungsseite soll zum Beispiel einen Bedarf einordnen und zu einer passenden Anfrage führen. Eine Projektseite soll Ausgangslage, Vorgehen und sichtbares Ergebnis nachvollziehbar machen. Die Startseite muss nicht jedes Detail enthalten, sondern die wichtigsten Wege verständlich eröffnen.
Prüfliste
- Welche Ausgangslagen führen Menschen zu unserem Angebot?
- Welche Zielgruppen unterscheiden sich tatsächlich in Bedarf oder Sprache?
- Welche Fragen müssen vor einer Anfrage beantwortet sein?
- Welche Missverständnisse oder unpassenden Anfragen möchten wir vermeiden?
- Welche Handlung soll auf der jeweiligen Seite am leichtesten sein?
03 · Grundstruktur
Die meisten Firmenwebsites brauchen wenige klare Aufgabenbereiche.
Nicht jedes Unternehmen benötigt dieselben Unterseiten. Ein kompakter One-Pager kann für ein klar begrenztes Angebot ausreichen. Mehrere Leistungsbereiche, unterschiedliche Zielgruppen oder erklärungsbedürftige Projekte profitieren häufig von eigenständigen Seiten, weil Inhalte besser auffindbar und verlinkbar bleiben.
Wichtiger als der Name im Menü ist, ob jeder Bereich eine konkrete Frage beantwortet. Die folgende Übersicht ist deshalb keine Pflichtliste, sondern ein Ausgangspunkt für die Konzeption.
Typische Bereiche und ihre Aufgabe
Startseite
Angebot und Zielgruppe in wenigen Blicken einordnen, wichtigste Vertrauenssignale zeigen und zu passenden Leistungs-, Projekt- oder Kontaktwegen führen.
Leistungen
Bedarf, Ergebnis, Vorgehen, Voraussetzungen und Grenzen verständlich beschreiben – möglichst aus Sicht des Kunden statt als interne Tätigkeitsliste.
Unternehmen & Personen
Verantwortliche Menschen, Arbeitsweise, Standort und fachlich relevante Hintergründe greifbar machen, ohne eine erfundene Größe oder Geschichte aufzubauen.
Projekte & Nachweise
Reale Arbeiten, freigegebene Rückmeldungen, Mitgliedschaften oder überprüfbare Qualifikationen passend zum Angebot belegen. Fehlende Nachweise nicht durch Behauptungen ersetzen.
Kontakt & nächster Schritt
Erwartbare Angaben, erreichbare Kanäle, Reaktionsrahmen und gegebenenfalls Einzugsgebiet nennen. Der Kontaktweg muss auf Mobilgeräten ebenso funktionieren.
Rechtliche Informationen
Impressum, Datenschutzinformationen und weitere erforderliche Angaben unternehmens- und funktionsbezogen bereitstellen und bei Änderungen mitprüfen.
04 · Texte
Gute Leistungstexte verbinden Kundensituation, Ergebnis und Rahmen.
Ein bloßes Stichwort wie Beratung, Montage oder Webdesign lässt offen, was genau angeboten wird. Beschreibe zunächst die Situation, in der die Leistung sinnvoll ist. Erkläre dann, welches Ergebnis angestrebt wird, welche Schritte typischerweise dazugehören und welche Voraussetzungen der Kunde mitbringen muss.
Nenne Grenzen ebenso klar wie Möglichkeiten. Wer nur bestimmte Regionen bedient, keine Notfälle übernimmt oder für ein Angebot vorhandene Unterlagen benötigt, spart mit einer frühen Erklärung auf beiden Seiten Zeit. Verbindliche Preise oder Termine gehören nur auf die Website, wenn sie für den beschriebenen Umfang tatsächlich gelten und gepflegt werden können.
Google empfiehlt Inhalte, die zuerst einer realen Zielgruppe helfen und eine Frage so beantworten, dass Leser nicht erneut nach einer besseren Erklärung suchen müssen. Das bedeutet nicht, jede mögliche Suchphrase zu wiederholen. Eine präzise Antwort mit eigener Einordnung ist hilfreicher als viele nahezu gleiche Seiten für einzelne Orte oder Varianten.
05 · Bildmaterial
Echte, relevante Bilder schaffen mehr Vertrauen als beliebige Dekoration.
Bilder sollten etwas zeigen, das für die Entscheidung wichtig ist: eine Person, mit der Kunden arbeiten, ein Produktdetail, einen Arbeitsprozess, einen Ort oder ein tatsächlich umgesetztes Ergebnis. Ein austauschbares Stockfoto kann Atmosphäre erzeugen, belegt aber nicht, wie dein Unternehmen arbeitet.
Sammle Originaldateien statt Screenshots aus Messenger-Verläufen. Notiere zu jedem Bild Motiv, Entstehungsdatum, Urheber, erlaubte Nutzung und abgebildete Personen. § 22 Kunsturhebergesetz stellt die Veröffentlichung von Bildnissen grundsätzlich unter die Einwilligung der abgebildeten Person; Ausnahmen und weitere Rechte müssen für den konkreten Fall geprüft werden. Auch Nutzungsrechte des Fotografen oder Rechte an gezeigten Werken können relevant sein.
Für die Website werden Bilder anschließend zugeschnitten, komprimiert und responsiv ausgeliefert. Google und die W3C Web Accessibility Initiative empfehlen einen passenden Textkontext und eine kurze Alternative für informative Bilder. Rein dekorative Bilder erhalten dagegen eine leere Textalternative. Die Beschreibung richtet sich nach der Funktion im jeweiligen Abschnitt – nicht nach einer Sammlung von Suchbegriffen.
Prüfliste
- Originaldatei in ausreichender Auflösung vorhanden
- Motiv und geplanter Einsatz kurz beschrieben
- Urheber und vereinbarte Nutzungsrechte dokumentiert
- Einwilligung erkennbarer Personen für den konkreten Einsatz geklärt
- Keine sensiblen Daten, Kennzeichen oder vertraulichen Unterlagen sichtbar
- Alternative oder erneuter Fototermin möglich, falls das Format nicht passt
06 · Nachweise
Vertrauen entsteht durch überprüfbare Details, nicht durch Superlative.
Aussagen wie führend, einzigartig oder höchste Qualität bleiben ohne Beleg austauschbar. Nützlicher sind konkrete Informationen: Wer übernimmt das Projekt? Wie läuft die Zusammenarbeit? Welche Materialien oder Systeme werden verwendet? Für welche Fälle ist das Angebot geeignet – und für welche nicht?
Referenzen werden stärker, wenn sie den Kontext zeigen. Eine Projektseite kann Ausgangslage, Ziel, umgesetzten Umfang und sichtbares Ergebnis beschreiben, ohne erfundene Erfolgszahlen zu ergänzen. Kundenstimmen sollten nur mit geklärter Veröffentlichungserlaubnis erscheinen und in ihrem Sinn nicht werblich umgeschrieben werden.
Wenn ein junges Unternehmen erst wenige Referenzen besitzt, ist Transparenz glaubwürdiger als künstliche Fülle. Zeige vorhandene Eigenprojekte eindeutig als solche, erkläre den Ablauf und ergänze reale Nachweise später. Eine leere Sternebewertung oder erfundene Fallstudie schadet mehr, als sie kurzfristig nützt.
07 · Anfrage
Der Kontaktbereich muss Unsicherheit abbauen, nicht neue Hürden schaffen.
Biete nur Kanäle an, die tatsächlich betreut werden. Eine geschäftliche Telefonnummer, E-Mail-Adresse oder ein Formular kann sinnvoll sein; nicht jedes Unternehmen braucht alle Varianten. Erkläre knapp, welche Angaben für eine erste Einschätzung helfen und was nach dem Absenden passiert.
Ein langes Pflichtformular kann qualifizierte Anfragen verhindern. Für einen ersten Kontakt genügen oft Name, erreichbarer Rückkanal und Anliegen. Weitere Projektdaten lassen sich freiwillig abfragen oder später klären. Fehlerhinweise, Tastaturbedienung, verständliche Feldbezeichnungen und eine zuverlässige Zustellung gehören zur Funktion – nicht nur zur Gestaltung.
Wer personenbezogene Daten direkt erhebt, muss die dafür geltenden Informationspflichten prüfen. Das Kurzpapier der Datenschutzkonferenz zu Art. 13 DSGVO nennt unter anderem Verantwortlichen, Zwecke, Rechtsgrundlage, Empfänger und Speicherdauer. Welche Angaben für deine Website nötig sind, hängt von Formularen, eingebundenen Diensten und tatsächlichen Verarbeitungen ab.
08 · Querschnittsaufgaben
Ein guter Inhalt muss auffindbar, verständlich und korrekt eingebunden sein.
Rechtliche Seiten sind kein Anhang, den ein Webdesigner pauschal ausfüllen kann. § 5 Digitale-Dienste-Gesetz verlangt für viele geschäftsmäßige digitale Dienste leicht erkennbare, unmittelbar erreichbare und ständig verfügbare Anbieterinformationen. Welche zusätzlichen Angaben, Rechtstexte oder Einwilligungen erforderlich sind, hängt unter anderem von Rechtsform, Beruf, Angeboten und eingebundenen Diensten ab. Lass die konkrete Fassung fachlich prüfen.
Für Suchmaschinen braucht hilfreicher Inhalt eine saubere technische und semantische Grundlage: eindeutige Seitentitel, beschreibende Überschriften, crawlbare Texte, passende interne Links und sinnvolle Metadaten. Das verbessert die Einordnung, garantiert aber keine bestimmte Platzierung.
Klare Sprache und Struktur helfen zugleich Menschen. Die W3C-Empfehlungen nennen unter anderem eindeutige Seitentitel, kurze Absätze, aussagekräftige Überschriften und korrekt ausgezeichnete Seitenbereiche. Barrierefreiheit entsteht jedoch nicht allein durch Text; Gestaltung, Kontrast, Bedienung und Technik müssen mitgeprüft werden.
09 · Aufgabenverteilung
Du lieferst Wahrheit und Freigaben – das Projekt formt daraus verständliche Inhalte.
Niemand außerhalb deines Unternehmens kennt Angebot, Verantwortlichkeiten und Grenzen so zuverlässig wie du. Deshalb solltest du Fakten, vorhandene Unterlagen, Ansprechpartner und verbindliche Freigaben liefern. Dafür müssen die Texte noch nicht druckreif sein.
Konzeption und Redaktion können Kundenfragen sortieren, die Seitenstruktur entwickeln, Gespräche in Texte überführen und fehlende Informationen sichtbar machen. Gestaltung und Entwicklung sorgen anschließend dafür, dass Inhalte auf verschiedenen Geräten lesbar, zugänglich und technisch sinnvoll eingebunden werden.
Was kommt von wem?
Vom Unternehmen
Fachlich richtige Angaben, Leistungsgrenzen, Ansprechpartner, Standorte, vorhandene Dokumente, Bild- und Nutzungsrechte, reale Nachweise sowie eine Person für Entscheidungen und Freigaben.
Gemeinsam im Projekt
Ziele priorisieren, Kundenfragen ordnen, Seitenstruktur festlegen, Rohmaterial ergänzen, Tonalität abstimmen und entscheiden, welche Inhalte zum Start wirklich benötigt werden.
Durch Redaktion, Design und Entwicklung
Texte verständlich ausarbeiten, visuelle Hierarchie schaffen, Bilder aufbereiten, Inhalte technisch zugänglich umsetzen und die vereinbarten Nutzerwege prüfen.
10 · Vorbereitung
Mit diesen Unterlagen wird das erste Gespräch konkret.
Du brauchst noch kein fertiges Website-Konzept. Eine ehrliche Sammlung aus Fakten, offenen Fragen und vorhandenen Materialien reicht für einen guten Start. Markiere ausdrücklich, was verbindlich ist und was erst gemeinsam entschieden werden soll.
Wenn etwas fehlt, ist das kein Grund, das Gespräch zu verschieben. Eine erkennbare Lücke – etwa ungeklärte Bildrechte oder unterschiedliche Vorstellungen vom Angebot – ist eine wichtige Planungsinformation. Sie lässt sich im Umfang und Zeitplan berücksichtigen.
Prüfliste
- Kurze Beschreibung von Unternehmen, Zielgruppen und wichtigsten Angeboten
- Drei bis fünf häufige Kundenfragen und typische Missverständnisse
- Gewünschte Handlung: anrufen, schreiben, Termin anfragen, buchen oder kaufen
- Verbindliche Leistungsgrenzen, Einsatzgebiet und gegebenenfalls Öffnungszeiten
- Vorhandene Texte, Broschüren, Angebote, Präsentationen und häufige E-Mail-Antworten
- Logo, Bildmaterial und Dokumentation der zugehörigen Nutzungsrechte
- Freigegebene Referenzen, Bewertungen, Mitgliedschaften oder Qualifikationsnachweise
- Zugänge und Zuständigkeiten für Domain, bestehende Website und relevante Dienste
- Notwendige Sprachen, Funktionen und Schnittstellen
- Verantwortliche Person für fachliche Entscheidungen und finale Freigaben
11 · Pflege
Inhalte sind fertig für den Start – nicht für immer.
Plane schon im Projekt, wer Öffnungszeiten, Ansprechpartner, Angebote und rechtliche Informationen aktualisiert. Prüfe in einem passenden Rhythmus, ob Kontaktwege funktionieren und ob Aussagen noch zur tatsächlichen Leistung passen. Ein veralteter Inhalt kann technisch fehlerfrei ausgeliefert werden und trotzdem Kunden in die falsche Richtung führen.
Neue Seiten sollten aus echten Fragen entstehen, nicht aus dem Wunsch nach beliebig mehr Text. Wenn sich ein Thema wiederholt im Vertrieb oder Support zeigt, kann eine Leistungsseite, FAQ oder ein eigenständiger Ratgeber sinnvoll sein. So wächst die Website entlang realer Entscheidungen statt als ungepflegte Textsammlung.
Häufige Fragen

